Tag: Fazit
Fazit: Facebook Developer Garage Hamburg oder man soll den Tag nicht vor dem Abend loben
by Philipp Strube on May.15, 2008, under Veranstaltungen
Aber halt, eigentlich wird andersrum nen Schuh draus. Aber fangen wir vorne an.
Wir sind also gestern um 4:00 Uhr aufgestanden und haben uns auf den Weg nach Hamburg gemacht. Trotz eines kleinen Staus kurz vor Hamburg weil auf der zweispurigen A1 ein LKW liegengeblieben ist sind wir in den Raum, haben uns hingesetzt und keine zwei Minuten später begann die Veranstaltung mit der Eröffnungsrede. Gutes Timing!
Eins möchte ich vorneweg nehmen, damit die Kritik die ich gleich äußern werde nicht dahingehend missverstanden wird ich würde die Veranstaltung insgesamt für schlecht halten. Das tue ich nicht. Allerdings gibt es durchaus Ansätze zur Verbesserung. Die Bemerkung von einem der beiden Facebook Repräsentanten (leider ist mir der Name entfallen), er hätte eine perfekt durchorganisierte Veranstaltung erwartet kann ich in keinster Weise unterschreiben. Ob er in dieser Hinsicht einfach andere Erwartungen stellt oder ob er die Wahrheit hinter die Höflichkeit gestellt hat wird wohl ungeklärt bleiben.
Fakt ist jedenfalls, dass der Veranstaltung durchaus chaotische Züge nachzusagen sind. So war die Agenda im Grunde genommen völlig unbrauchbar. Nicht nur, dass ich es für etwas eigenartig halte diese erst am Abend vor der Veranstaltung zu veröffentlichen, sondern vor allem weil dieser lediglich drei Informationen entnommen werden konnte. Die geplante Uhrzeit, die allerdings von Beginn an obsolet war. Der Name des Vortragenden und die Firma. Es gab also vor den Vorträgen keine Information dazu was einen denn erwartet. Das ist vor allem deswegen ärgerlich, weil es zwei Räume gab. Wonach soll man die Entscheidung treffen?
Durch die Zeitprobleme bedingt wurden die Vortragenden bei Beginn des Vortrags gebeten ihre Vorträge kürzer zu fassen. Teilweise wurden die für 20 Minuten angesetzen Vortrage dann nach sechs Minuten abgebrochen. Zum einen wirkte es auf mich alles andere als organisiert dies unmittelbar vor Vortragsbeginn live auf der Bühne zu machen. Zum zweiten hätte man selektieren sollen. Vorträge die Wissen vermitteln wollten hätte man bevorzugt behandeln sollen und dafür die unzähligen teilweise bestenfalls mittelmässigen Facebook Applikationen einfach auf 2-3 Minuten kürzen.
Damit sind wir auch schon bei meinem größten Kritikpunkt. Facebook Developer Garage ist der Name des Events. Developer Garage gibt dabei eine ganz klare Zielrichtung vor. Eine Veranstaltung für Entwickler. Die Veranstaltung war aber Meilenweit von diesem Ziel entfernt.
Nur ganz vereinzelt gab es Vorträge wo es tatsächlich um das Entwickeln mit der Facebook Plattform ging. Größtenteils wurden einfach nur die besagten Applikationen vorgestellt. Dabei gingen die Vortragenden aber grundsätzlich fast ausschliesslich auf ihr Geschäftsmodell ein. Für eine Entwicklerveranstaltung ist dies aber die völlig falsche Art von Vorträgen. Meiner Meinung nach kann das auch nicht im Sinne von Facebook sein. Laut Handzeichen war doch der Großteil der Besucher Entwickler und man hätte diesen technische Informationen und Kniffe an die Hand geben können um ihnen so die Einarbeitung in die API zu erleichtern und damit die Entwicklungszeit neuer Applikationen zu verkürzen. Das Facebook scharf auf diese Applikationen ist, ist ein offenes Geheimnis und zeigt sich nicht zuletzt in dem Wettbewerb der speziell für Applikationen in deutscher Sprache gestartet wurde.
Jetzt kommt allerdings der Titel ins Spiel, man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, allerdings hatte ich bis kurz zum Schluss noch garnicht gelobt. Eher sollte man eine Veranstaltung nicht vor dem Ende verteufeln, denn es kann ja noch besser werden. Im Prinzip hat die Keynote von Salim Ismail fast die komplette Veranstaltung gerettet. Es war im übrigen auch der einzige Vortrag der den Namen Titel Keynote verdient hat obwohl auch noch ein paar andere wichtige Herren angebliche solche gehalten haben. Vielleicht war ich aber auch nur einfach zu dem Zeitpunkt im falschen Raum, weil gerade im große später die Vorträge auch nichtmal mehr in der Reihenfolge waren, wie sie in der Agenda angekündigt waren.
Die Verköstigung war übrigens gut, da gab es wirklich nichts zu meckern und wie gesagt ist eine solche Veranstaltung gut und wichtig. Meiner Meinung nach würde sie mit besseren Informationen bezüglich der Vorträge und insbesondere Themen und einem klaren Fokus auf Entwickler allerdings wesentlich mehr bringen. Alles andere ist dann quasi reine Übungssache. Gerade vor dem Hintergrund, dass die next08 heute einen Tag nach der Developer Garage stattfindet hätte man durch einen klaren Fokus auf Entwicklerthemen eine klare Abgrenzung und somit ein Alleinstellungsmerkmal. In der jetzigen Form war die Garage lediglich eine Art Vorveranstaltung die viele wahrscheinlich nur mitgenommen haben weil sie halt eh am nächsten Tag in Hamburg sind. Dafür ist das Thema aber eigentlich zu schade, Anwendungsentwicklung für soziale Netzwerke hat durchaus Potential. Eine solche Veranstaltung muss diesem gerecht werden.
Hinweisen möchte ich an dieser Stelle noch auf das Blog von Jan Schmidt (Schmidt mit Dete) der selbst einen der besseren Vorträge auf der Veranstaltung gehalten hat, auch wenn dieser ebenfalls nicht technisch war.
Fazit: Aufschwung Messe Frankfurt
by Philipp Strube on Feb.13, 2008, under Veranstaltungen
Wie angekündigt, waren wir gestern den ganzen Tag in Frankfurt auf der Aufschwung Messe. Ich möchte hier jetzt mal meine Sicht der Dinge darstellen, natürlich sehr subjektiv und von unseren Bedürfnissen ausgehend. Die Messe selbst war relativ gut besucht, allerdings schienen junge Internetstartups nicht die primäre Zielgruppe zu sein und überhaupt waren junge Gründer eher rar vertreten.
Die genauen Aussteller kann man sicher auf der Webseite der Messe nachlesen. Auffällig war in meinen Augen die große Anzahl an Franchisegebern, die ihre Konzepte anpriesen und nach Franchisenehmern gesucht haben. Für uns natürlich nur mässig interessant. Andere Stände waren eher auf Freiberufler und ähnliches zugeschnitten und priesen CRM und sonstige Softwarelösungen teilweise auch kostenlos an. Was prinzipiell auch für junge Internetstartups interessant sein kann, allerdings bin ich ein großer Fan davon die volle Kontrolle über die eigene Kerninfrastruktur zu haben und es gibt mehr als genug wirklich gute Open Source Software für so ziemlich jeden Zweck. Wenn das Know How vorhanden ist, würde ich solche Lösungen externen jederzeit bevorzugen.
Für uns sehr gut war der Stand eines Business Angel Netzwerks. Dieser war zwar wirklich schwer zu finden, weil irgendwie niemand wusste, wo sich der, im Gründerguide getauften Messeführer, angegebene Raum befand, aber nachdem diese Hürde überwunden war trafen wir dort einen sehr freundlichen und vor allem kompetenten Ansprechpartner an. Der uns zum einen direkt wertvolle Anregungen zu unserem Konzept und zum anderen natürlich Kontaktdaten gegeben hat. Es wird also auch an der Risikokapitalfront bald Neuigkeiten über myPEAK.net zu hören geben. Welcher Art diese sein werden, steht natürlich noch in den Sternen.
Neben den Ausstellern gab es noch ein großes Programm an Vorträgen und Workshops. Besucht haben wir vier. Die Vorträge hatten eine Dauer zwischen 30 Minuten und einer Stunde und waren, dass muss man ganz klar sagen, von ganz unterschiedlicher Qualität. Der erste und dritte Vortrag waren echte Enttäuschungen.
Der erste zum Thema Marketing war ein einziges durchgeklicke, durch viel zu viele Folien, für einen so kurzen Vortrag, der am Ende einen fahlen Beigeschmack bekam, weil es plötzlich so wirkte, als ob der Vortrag dem nachfolgend angepriesenen Buch nichts vorweg nehmen sollte. Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn die Referenten sich auch selbst darstellen und ihre eigenen Unternehmen oder Produkte anpreisen, aber man sollte sich schon die Mühe machen mit dem Vortrag nicht nur die Zeit der Zuhörer zu verschwenden.
Der zweite Vortrag trug den Titel die beste Unternehmensform für Unternehmensgründungen. Der Vortrag wurde von einem PWC Partner und zwei weiteren PWC Leuten gehalten und war wie bei diesen Referenten zu erwarten wirklich gut. Thematisch wurde mir zwar nichts neues offenbart, aber wenn dem so gewesen wäre, hätte ich mich vor dem Hintergrund meines Jura Studiums im neunten Semester mit dem Schwerpunkt auf Gesellschafts- und Wettbewerbsrecht auch wirklich schämen müssen. Für Tobias war das ganze aber denke ich ganz sinnvoll und dafür hat es sich schon gelohnt.
Als dritten Vortrag haben wir dann einen Vortrag darüber erwartet, wie man einen Businessplan schreibt. Erwartet deswegen, weil der Referent bereits im zweiten Satz sagte, dass es in seinem Vortrag darum garnicht so wirklich ginge. Eine Erklärung, warum er ihn dann so betitelt hatte, blieb der Referent schuldig. Was uns dann geboten wurde, war eine geschlagene Stunde Geplänkel aus seinem mit allerhand Geschichten, aus seiner Berufserfahrung als ehemaliger Bänker und jetziger Franchisegeber, gefüllten Nähkästchen. Das ist zwar auch mal ganz nett und war ja auch kurzzeitig ganz amüsant. Aber für einen Vortrag mit dem Titel und der Dauer von einer ganzen Stunde erwarte ich ein bisschen mehr Substanz. Das ca. alle 5 Minuten das Beamerbild ausfiel, weil das Notebook des Referenten lieber Strom gespart hätte, als den Vortrag anzuzeigen, war dabei nur noch ein fahler Beigeschmack.
Zum Schluss hatten wir dann allerdings nochmal Glück. Die Referentin zum Thema Verkaufsgespräche hat in einer halben Stunde, einen sehr zielgerichteten aber trotzdem kurzweilig und mit sinnvollen Anekdoten geschmückten Vortrag gehalten. Am Ende hatte man so einen durchaus brauchbaren Leitfaden was man an Basics in Verkaufsgesprächen beachten sollte. Dieser Vortrag hat in der hälfte der Zeit des vorherigen Unmengen mehr an Informationen geliefert und zwar genau zu dem Thema das den Titel des Vortrags stellte. So geht das!
In der Keynote erzählte Walter Gunz unter dem Titel “Erfolg durch dumme Sprüche? – Eine Media Markt-Story” über die Entstehung des Media Markt. Im Anschluss stand er ehrlich und ausführlich Rede und Antwort und hat damit, was auch sein erklärtes Vortragsziel war, wirklich Lust auf mehr Unternehmertum gemacht.
Alles in allem war die Veranstaltung für uns eine positive Erfahrung und sicher nicht die letzte ihrer Art die wir besuchen werden. Allerdings werden wir in Zukunft vielleicht mehr darauf achten, dass wir uns spezialisiertere Messen rauspicken.
Meinungen oder andere Erfahrungsberichte können gerne in die Kommentare geschrieben oder als Trackback angehängt werden. Weitere Beiträge zum Thema findet man schon bei Armin Karge, antz@work, Hannes Streichl und auch bei Frank Doerr.