Wie angekündigt, waren wir gestern den ganzen Tag in Frankfurt auf der
Aufschwung Messe. Ich möchte hier jetzt mal meine Sicht der Dinge darstellen, natürlich sehr subjektiv und von unseren Bedürfnissen ausgehend. Die Messe selbst war relativ gut besucht, allerdings schienen junge Internetstartups nicht die primäre Zielgruppe zu sein und überhaupt waren junge Gründer eher rar vertreten.
Die genauen Aussteller kann man sicher auf der Webseite der Messe nachlesen. Auffällig war in meinen Augen die große Anzahl an Franchisegebern, die ihre Konzepte anpriesen und nach Franchisenehmern gesucht haben. Für uns natürlich nur mässig interessant. Andere Stände waren eher auf Freiberufler und ähnliches zugeschnitten und priesen CRM und sonstige Softwarelösungen teilweise auch kostenlos an. Was prinzipiell auch für junge Internetstartups interessant sein kann, allerdings bin ich ein großer Fan davon die volle Kontrolle über die eigene Kerninfrastruktur zu haben und es gibt mehr als genug wirklich gute Open Source Software für so ziemlich jeden Zweck. Wenn das Know How vorhanden ist, würde ich solche Lösungen externen jederzeit bevorzugen.
Für uns sehr gut war der Stand eines Business Angel Netzwerks. Dieser war zwar wirklich schwer zu finden, weil irgendwie niemand wusste, wo sich der, im Gründerguide getauften Messeführer, angegebene Raum befand, aber nachdem diese Hürde überwunden war trafen wir dort einen sehr freundlichen und vor allem kompetenten Ansprechpartner an. Der uns zum einen direkt wertvolle Anregungen zu unserem Konzept und zum anderen natürlich Kontaktdaten gegeben hat. Es wird also auch an der Risikokapitalfront bald Neuigkeiten über
myPEAK.net zu hören geben. Welcher Art diese sein werden, steht natürlich noch in den Sternen.
Neben den Ausstellern gab es noch ein großes Programm an Vorträgen und Workshops. Besucht haben wir vier. Die Vorträge hatten eine Dauer zwischen 30 Minuten und einer Stunde und waren, dass muss man ganz klar sagen, von ganz unterschiedlicher Qualität. Der erste und dritte Vortrag waren echte Enttäuschungen.
Der erste zum Thema Marketing war ein einziges durchgeklicke, durch viel zu viele Folien, für einen so kurzen Vortrag, der am Ende einen fahlen Beigeschmack bekam, weil es plötzlich so wirkte, als ob der Vortrag dem nachfolgend angepriesenen Buch nichts vorweg nehmen sollte. Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn die Referenten sich auch selbst darstellen und ihre eigenen Unternehmen oder Produkte anpreisen, aber man sollte sich schon die Mühe machen mit dem Vortrag nicht nur die Zeit der Zuhörer zu verschwenden.
Der zweite Vortrag trug den Titel die beste Unternehmensform für Unternehmensgründungen. Der Vortrag wurde von einem PWC Partner und zwei weiteren PWC Leuten gehalten und war wie bei diesen Referenten zu erwarten wirklich gut. Thematisch wurde mir zwar nichts neues offenbart, aber wenn dem so gewesen wäre, hätte ich mich vor dem Hintergrund meines Jura Studiums im neunten Semester mit dem Schwerpunkt auf Gesellschafts- und Wettbewerbsrecht auch wirklich schämen müssen. Für Tobias war das ganze aber denke ich ganz sinnvoll und dafür hat es sich schon gelohnt.
Als dritten Vortrag haben wir dann einen Vortrag darüber erwartet, wie man einen Businessplan schreibt. Erwartet deswegen, weil der Referent bereits im zweiten Satz sagte, dass es in seinem Vortrag darum garnicht so wirklich ginge. Eine Erklärung, warum er ihn dann so betitelt hatte, blieb der Referent schuldig. Was uns dann geboten wurde, war eine geschlagene Stunde Geplänkel aus seinem mit allerhand Geschichten, aus seiner Berufserfahrung als ehemaliger Bänker und jetziger Franchisegeber, gefüllten Nähkästchen. Das ist zwar auch mal ganz nett und war ja auch kurzzeitig ganz amüsant. Aber für einen Vortrag mit dem Titel und der Dauer von einer ganzen Stunde erwarte ich ein bisschen mehr Substanz. Das ca. alle 5 Minuten das Beamerbild ausfiel, weil das Notebook des Referenten lieber Strom gespart hätte, als den Vortrag anzuzeigen, war dabei nur noch ein fahler Beigeschmack.
Zum Schluss hatten wir dann allerdings nochmal Glück. Die Referentin zum Thema Verkaufsgespräche hat in einer halben Stunde, einen sehr zielgerichteten aber trotzdem kurzweilig und mit sinnvollen Anekdoten geschmückten Vortrag gehalten. Am Ende hatte man so einen durchaus brauchbaren Leitfaden was man an Basics in Verkaufsgesprächen beachten sollte. Dieser Vortrag hat in der hälfte der Zeit des vorherigen Unmengen mehr an Informationen geliefert und zwar genau zu dem Thema das den Titel des Vortrags stellte. So geht das!
In der Keynote erzählte Walter Gunz unter dem Titel “Erfolg durch dumme Sprüche? - Eine Media Markt-Story” über die Entstehung des Media Markt. Im Anschluss stand er ehrlich und ausführlich Rede und Antwort und hat damit, was auch sein erklärtes Vortragsziel war, wirklich Lust auf mehr Unternehmertum gemacht.
Alles in allem war die Veranstaltung für uns eine positive Erfahrung und sicher nicht die letzte ihrer Art die wir besuchen werden. Allerdings werden wir in Zukunft vielleicht mehr darauf achten, dass wir uns spezialisiertere Messen rauspicken.
Meinungen oder andere Erfahrungsberichte können gerne in die Kommentare geschrieben oder als Trackback angehängt werden. Weitere Beiträge zum Thema findet man schon bei
Armin Karge,
antz@work,
Hannes Streichl und auch bei
Frank Doerr.
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